Authentizität
Kurz: Die Eigenschaft, dass Daten oder eine Verbindung nachweislich von der angegebenen Quelle stammen — Schutzziel neben Integrität und Vertraulichkeit.
Genauer: Authentizität wird technisch meist über digitale Signaturen oder Zertifikate hergestellt: Ein signiertes Dokument kann nur von jemandem stammen, der den passenden privaten Schlüssel besitzt. Bei TLS-Verbindungen sorgt das Server-Zertifikat dafür, dass der Client sicher sein kann, wirklich mit dem echten Server zu sprechen und nicht Opfer von Spoofing zu werden.
Im Detail
Die drei klassischen Schutzziele
Authentizität, Integrität und Vertraulichkeit sind die drei klassischen Schutzziele der Informationssicherheit (oft als “CIA-Triade” bezeichnet, wobei “A” für Availability/Verfügbarkeit ein viertes Ziel ergänzt) — sie werden oft verwechselt, bedeuten aber unterschiedliche Dinge:
Vertraulichkeit: Nur berechtigte Empfänger können die Daten lesen (Verschlüsselung)
Integrität: Die Daten wurden unterwegs nicht unbemerkt verändert (Hashing/MAC)
Authentizität: Die Daten stammen wirklich von der angegebenen Quelle (Signatur/Zertifikat)
Man kann diese drei Ziele unabhängig voneinander verletzen: Eine Nachricht kann integer (unverändert) sein, aber trotzdem nicht authentisch — wenn sie exakt so von einem Angreifer verfasst wurde, der sich als jemand anderes ausgibt. Umgekehrt kann eine Nachricht durchaus vom richtigen Absender stammen (authentisch), aber unterwegs manipuliert worden sein (nicht integer), wenn keine zusätzliche Integritätsprüfung erfolgt. Digitale Signaturen liefern typischerweise BEIDES gleichzeitig: Wenn eine Signatur gültig ist, beweist das sowohl, dass die Daten seit der Signierung nicht verändert wurden (Integrität), als auch, dass sie vom Inhaber des privaten Schlüssels signiert wurden (Authentizität).
Non-Repudiation: Die Unleugbarkeit
Ein eng verwandtes, viertes Konzept ist Non-Repudiation (Unleugbarkeit): Der Absender kann nachträglich nicht bestreiten, eine Nachricht gesendet zu haben, weil nur er den privaten Schlüssel besitzt, mit dem sie signiert wurde. Das unterscheidet digitale Signaturen von einem einfachen MAC (Message Authentication Code, der nur einen gemeinsamen symmetrischen Schlüssel nutzt): Bei einem MAC können sowohl Sender als auch Empfänger die Nachricht “signieren”, weil beide denselben Schlüssel kennen — ein Empfänger könnte also theoretisch selbst eine gefälschte, scheinbar vom Sender stammende Nachricht erzeugen. Bei asymmetrischen digitalen Signaturen kann das niemand außer dem Besitzer des privaten Schlüssels, was echte Unleugbarkeit ermöglicht.
Authentizität bei TLS-Verbindungen
Bei TLS-Verbindungen wird Authentizität über die Zertifikatskette hergestellt: Das Server-Zertifikat ist von einer vertrauenswürdigen Zertifizierungsstelle signiert, deren eigenes Zertifikat wiederum im Browser/Betriebssystem als vertrauenswürdig hinterlegt ist. Ohne diese Kette könnte sich ein Angreifer im Netzwerk (z. B. in einem öffentlichen WLAN) als der echte Server ausgeben und Zugangsdaten oder andere sensible Daten abfangen — ein sogenannter Man-in-the-Middle-Angriff.
Ein Vorfall aus der Praxis
Wie ernst das Risiko fehlender Authentizitätsprüfung ist, zeigte der DigiNotar-Vorfall 2011: Angreifer kompromittierten eine niederländische Zertifizierungsstelle und stellten sich damit gültige, von Browsern akzeptierte Zertifikate für Domains wie *.google.com aus — obwohl sie diese Domains nicht besaßen. Damit konnten sie sich gegenüber ahnungslosen Nutzern als Google ausgeben und deren verschlüsselten Datenverkehr mitlesen, ohne dass der Browser eine Warnung anzeigte (die Zertifikatskette war ja formal “gültig”). DigiNotar musste als direkte Folge sein Geschäft einstellen, und Browser entfernten das Vertrauen in die Zertifizierungsstelle komplett — der Vorfall zeigte, wie stark das gesamte Web-Sicherheitsmodell vom Vertrauen in eine relativ kleine Anzahl von Zertifizierungsstellen abhängt.
Authentizität bei Software und Dateien
Auch außerhalb von Netzwerkverbindungen ist Authentizität relevant: Software-Updates werden typischerweise signiert, damit ein Betriebssystem oder Paketmanager prüfen kann, dass ein Update wirklich vom angegebenen Hersteller stammt und nicht von einem Angreifer untergeschoben wurde (Supply-Chain-Angriff). GPG-signierte Git-Commits und Software-Pakete funktionieren nach demselben Prinzip.
Siehe auch: Integrität, Signatur, Zertifikat