Browser-Tab
Kurz: Ein einzelnes, unabhängig ladbares Fenster innerhalb eines Browsers, das eine eigene Webseite anzeigt.
Genauer: Moderne Browser isolieren Tabs oft in eigenen Prozessen, sodass ein abstürzender Tab nicht den gesamten Browser mitreißt und jeder Tab von den Ressourcen anderer Tabs getrennt bleibt (auch relevant für Sicherheit — Stichwort Sandboxing).
Im Detail
Diese Prozess-Isolation (bei Chrome/Chromium “Site Isolation” genannt) ist eine relativ junge Entwicklung: Frühe Browser liefen mit allen Tabs in einem einzigen Prozess, was zwar Arbeitsspeicher sparte, aber bedeutete, dass ein Fehler oder Sicherheitsproblem in einem Tab den kompletten Browser oder sogar andere Tabs kompromittieren konnte. Mit einem eigenen Prozess pro Tab (oder sogar pro Website innerhalb eines Tabs) lässt sich das Betriebssystem selbst zur Absicherung nutzen — ein bösartiges Skript auf einer Seite kann so nicht ohne Weiteres auf den Speicher einer anderen, in einem anderen Tab offenen Seite zugreifen.
Der Nachteil dieser Isolation ist ein spürbar höherer Speicherverbrauch bei vielen offenen Tabs, da jeder Prozess eigenen Overhead mitbringt — ein bekannter Kritikpunkt an Chrome-artigen Browsern. Viele Browser federn das inzwischen ab, indem inaktive Tabs “eingefroren” (Tab Discarding/Suspending) und erst bei erneuter Nutzung wieder vollständig geladen werden.
Lebenszyklus eines Tabs
Jeder Tab durchläuft mehrere Zustände: aktiv und sichtbar, im Hintergrund aber noch geladen (JavaScript läuft meist weiter, oft aber gedrosselt, um Akku/CPU zu sparen), eingefroren/suspendiert (Prozess beendet, nur Titel und Favicon bleiben erhalten) und schließlich vollständig geschlossen. Moderne Browser priorisieren dabei nach Nutzungsmuster — ein seit Stunden nicht angeklickter Tab wird eher eingefroren als einer, der erst vor Minuten aktiv war. Entwickler können dieses Verhalten über die Page-Visibility-API im Browser beeinflussen, etwa um Video-Wiedergabe zu pausieren, sobald ein Tab in den Hintergrund wechselt.
Tab-Gruppen und Session-Wiederherstellung
Mit wachsender Tab-Anzahl haben viele Browser Werkzeuge zur Organisation ergänzt: farbcodierte Tab-Gruppen, vertikale statt horizontaler Tab-Leisten für mehr Übersicht, oder automatisches Zusammenklappen selten genutzter Tabs. Nach einem Absturz oder Neustart speichern Browser typischerweise eine Session (Liste offener Tabs samt URLs) lokal und bieten eine “Sitzung wiederherstellen”-Funktion an — technisch meist eine einfache JSON-Datei im Profilordner des Browsers, die beim nächsten Start ausgelesen wird.
Cross-Site-Tracking über Tab-Grenzen hinweg
Obwohl Tabs auf Prozessebene isoliert sind, bedeutet das nicht automatisch Schutz vor Tracking: Cookies und andere Speichermechanismen können ursprünglich so konzipiert sein, dass eine Website erkennt, ob derselbe Nutzer auch in einem anderen Tab (oder bei einem späteren Besuch) wieder da ist — genau das nutzen Werbenetzwerke für Third-Party-Tracking. Moderne Browser schränken das zunehmend ein (Safari mit Intelligent Tracking Prevention, Firefox mit Enhanced Tracking Protection, Chrome schrittweise mit der Privacy Sandbox), indem sie Third-Party-Cookies standardmäßig blockieren oder stark isolieren.
Siehe auch: Browser, Ressourcen