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Darknet

Kurz: Ein Teil des Internets, der nur über spezielle Software (z. B. Tor) erreichbar ist und Nutzer sowie Serverstandorte durch mehrfache Verschlüsselung und Umleitung anonymisiert.

Genauer: Beim bekanntesten Darknet, dem Tor-Netzwerk, wird der Verkehr über mehrere zufällig gewählte Knotenpunkte (Relays) geleitet und dabei mehrfach verschlüsselt (Onion-Routing) — jeder Knoten kennt nur den vorherigen und nächsten Schritt, nicht die gesamte Route. Das Darknet selbst ist technologieneutral (Anonymisierung), wird aber medial oft mit illegalen Marktplätzen assoziiert. Es wird auch von Journalisten, Aktivisten und Menschen in autoritären Staaten genutzt, um Zensur zu umgehen.

Im Detail

Beim Onion-Routing (Namensgeber für “Tor” = “The Onion Router”) wird eine Nachricht in mehrere Verschlüsselungsschichten verpackt, ähnlich den Schichten einer Zwiebel:

Client -> [Guard-Knoten] -> [Middle-Knoten] -> [Exit-Knoten] -> Zielserver

Nachricht wird 3-fach verschlüsselt (für Exit, Middle, Guard).
Jeder Knoten entfernt nur SEINE äußerste Schicht und leitet den Rest weiter:

Guard-Knoten:  entfernt Schicht 1, kennt Absender + nächsten Knoten (nicht das Ziel)
Middle-Knoten: entfernt Schicht 2, kennt nur vorherigen + nächsten Knoten
Exit-Knoten:   entfernt Schicht 3, kennt das Ziel (nicht den ursprünglichen Absender)

Diese Konstruktion ist entscheidend: Kein einzelner Knoten kennt gleichzeitig Absender UND Ziel — nur wenn ein Angreifer sowohl den Guard- als auch den Exit-Knoten derselben Verbindung kontrolliert (sogenannte Korrelationsangriffe), lässt sich die Anonymität theoretisch aufbrechen. Deshalb wird die Route regelmäßig gewechselt und über mehrere, unabhängig betriebene Relays verteilt.

Begrifflich wird “Darknet” oft mit “Deep Web” verwechselt, meint aber etwas anderes: Das Deep Web umfasst schlicht alle Inhalte, die nicht von Suchmaschinen indexiert werden (z. B. Inhalte hinter einem Login, private Cloud-Speicher) — das ist der weitaus größte Teil des Internets und völlig alltäglich. Das Darknet dagegen ist technisch abgegrenzt: Es erfordert spezielle Software (Tor Browser) und nutzt eigene Adressformate (.onion-Domains), die im normalen Internet gar nicht auflösbar sind.

Herkunft und legitime Nutzung

Das Tor-Netzwerk wurde ursprünglich Mitte der 1990er-Jahre vom US-Marineforschungslabor entwickelt, um die Kommunikation von Geheimdienstmitarbeitern zu schützen, und später als Open-Source-Projekt veröffentlicht. Die paradoxe Konsequenz: Je mehr unterschiedliche Nutzergruppen (Militär, Aktivisten, Journalisten, aber auch Kriminelle) dasselbe Netzwerk nutzen, desto besser die Anonymität für alle — ein Netzwerk, das nur von einer einzigen Nutzergruppe verwendet würde, ließe bereits durch die bloße Nutzung Rückschlüsse auf die Identität zu. Reporter ohne Grenzen und andere Organisationen betreiben eigene .onion-Spiegel ihrer Websites, damit Menschen in Ländern mit strenger Internetzensur (z. B. hinter der “Great Firewall” Chinas) unzensierten Zugang zu Nachrichten erhalten.

Onion Services (früher “Hidden Services”)

Neben dem anonymen Surfen im normalen Web ermöglicht Tor auch sogenannte Onion Services: Websites, die selbst nur über das Tor-Netzwerk erreichbar sind und deren SERVERSTANDORT ebenfalls verborgen bleibt (nicht nur der Nutzer, sondern auch der Betreiber ist anonym). Das funktioniert über ein “Rendezvous-Punkt”-Verfahren, bei dem sich Client und Onion-Service über einen zufällig gewählten Zwischenknoten treffen, ohne dass einer der beiden die IP-Adresse des anderen direkt erfährt.

Bekannte Vorfälle und Strafverfolgung

Das Darknet wurde medial vor allem durch Marktplätze wie Silk Road (2011-2013, größter Drogenmarktplatz, vom FBI zerschlagen) bekannt, die Kryptowährungen für scheinbar anonyme Zahlungen und Tor für anonymen Zugriff kombinierten. Solche Marktplätze zeigten aber auch die Grenzen der Anonymität: Strafverfolgungsbehörden identifizierten Betreiber häufig nicht durch das Brechen der Tor-Verschlüsselung selbst, sondern durch Fehler außerhalb des Anonymisierungsnetzwerks (z. B. Wiederverwendung eines echten Namens in einem frühen Forenpost, oder Analyse von Blockchain-Transaktionsmustern bei vermeintlich anonymen Kryptowährungszahlungen).

Siehe auch: VPN