Verkabelungsplan
Kurz: Eine Dokumentation, die für jede einzelne Netzwerkverbindung eines Gebäudes festhält, wo sie beginnt, wie sie verläuft und wo sie endet: von der Anschlussdose im Raum über Kabelkanal und Patchpanel bis zum Port im Netzwerkschrank.
Genauer: Der Verkabelungsplan verbindet die Funktionen des logischen Netzwerkplans (welche Geräte, VLANs und Dienste gibt es?) mit dem Gebäudeplan (welche Räume, Wege und Kabeltrassen gibt es?). Ohne ihn weiß niemand, welches Kabel in der Wand zu welchem Port im Schrank gehört, und jede Störung, jeder Umzug und jede Erweiterung wird zur Suche.
Im Detail
Wozu braucht man ihn?
Ein Netzwerk wird in der Praxis auf zwei Ebenen gedacht:
- Logisch: Wer spricht mit wem? Welche Geräte stehen in welchem Segment? Welche IP-Adressen und VLANs gibt es? Das beschreibt der logische Netzwerkplan.
- Physisch: Durch welche Räume, Kanäle und Kabel läuft die Verbindung tatsächlich? Das beschreibt der Gebäudeplan (Räume, Etagen, Kabeltrassen) zusammen mit dem Verkabelungsplan.
Der Verkabelungsplan ist die Brücke zwischen beiden: Er ordnet jeder Funktion („Arbeitsplatz Buchhaltung 3“) einen konkreten Weg zu („Dose B2-14, Kabel zum Patchpanel PP1, Port 14, Switch-Port Gi1/0/14“).
Was steht drin?
Ein Verkabelungsplan besteht üblicherweise aus einer Tabelle mit einer Zeile pro Verbindung. Typische Spalten:
| Bestandteil | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Beschreibung / Kennzeichnung | Eindeutige Bezeichnung der Verbindung, oft auch der Zweck | V-014, „Arbeitsplatz Buchhaltung 3“ |
| Endpunkt 1 (Anfangsraum) | Raum, in dem die Verbindung beginnt, meist der Technikraum | Raum 0.01 (Technikraum) |
| Netzwerkschrank | In welchem Schrank (bei mehreren) die Verbindung aufgelegt ist | Schrank NS1 |
| Patchpanel mit Kennzeichnung und Portnummer | Welches Panel und welcher Port im Schrank | PP1, Port 14 |
| Hinweise zu Kabelkanälen und Installationsstrecken | Wie das Kabel läuft: Brüstungskanal, Kabeltrasse, Steigschacht, Brandschutzdurchführung | Steigschacht Ost, dann Brüstungskanal Flur 1. OG |
| Endpunkt 2 (Endraum) | Raum, in dem die Verbindung endet | Raum 1.14 (Büro Buchhaltung) |
| Anschlussdose und Port | Welche Dose im Raum und welcher Anschluss daran | Dose B2-14, Port 1 |
| Medium | Kabeltyp und Qualität, also Kategorie bzw. Linkklasse | Cat6a, Klasse EA |
Die Bestandteile genauer erklärt
Beschreibung und Kennzeichnung. Jede Verbindung bekommt eine eindeutige Kennung, die an beiden Enden am Kabel bzw. am Port steht (Beschriftungsschild, Aufdruck). Gute Kennzeichnungen sind „sprechend“: Sie verraten etwa Raum und laufende Nummer (1.14-03) und lassen sich in der Praxis ohne Plan wiederfinden. Wichtig ist, dass die Kennzeichnung im Plan exakt der Beschriftung vor Ort entspricht.
Endpunkt 1 (Anfangsraum) und Endpunkt 2 (Endraum). Eine Verbindung hat immer zwei Enden. Welches Ende „Anfang“ und welches „Ende“ heißt, ist reine Vereinbarung. Üblich ist: Anfang = Technikraum/Schrank, Ende = Arbeitsplatz oder Gerät. Wichtig ist nur, dass es einheitlich festgelegt und im Plan angegeben wird.
Netzwerkschrank. In größeren Gebäuden gibt es mehrere Schränke (z. B. je Etage). Der Plan muss deshalb angeben, in welchem Netzwerkschrank die Verbindung endet.
Patchpanel mit Kennzeichnung und Portnummer. Im Schrank enden die fest verlegten Kabel auf einem Patchpanel. Panel und Port werden so genau angegeben, dass man ohne Suchen die richtige Buchse findet („PP1, Port 14“). Von dort führt ein kurzes Patchkabel zum Port am Switch. Dieser Weg ist im Verkabelungsplan nicht fest, denn er lässt sich jederzeit umstecken, weshalb er oft in einer eigenen Rangierliste dokumentiert wird.
Hinweise zu Kabelkanälen und Installationsstrecken. Hier steht, wie das Kabel physisch verläuft (Brüstungskanal, Kabeltrasse, Doppelboden, Steigschacht) und was dabei zu beachten ist, z. B. Brandabschnitte, Abstand zu Starkstromleitungen (Störungen!) oder Zugentlastung. Diese Angaben sind für Wartung, Brandschutz und spätere Erweiterungen wichtig.
Anschlussdose und Port. Am anderen Ende steht die Dose im Raum, meist mit zwei oder mehr Ports. Dose und Port müssen genau bezeichnet sein, damit jemand, der ein Gerät anschließen will, weiß, welche Buchse zu welcher Verbindung gehört.
Medium (Kategorie bzw. Linkklasse). Die Angabe, mit welchem Kabel die Verbindung ausgeführt ist, z. B. Cat6a-Installationskabel oder Glasfaser (OM3, OM4, OS2 usw.). Bei Kupfer unterscheidet man:
- die Kategorie (Cat5e, Cat6, Cat6a …) beschreibt die Komponenten (Kabel, Dose, Panel),
- die Linkklasse (z. B. Klasse EA) beschreibt die gesamte Strecke, die nach der Installation mit einem Messgerät geprüft wird.
Beides entscheidet, welche Geschwindigkeit die Verbindung später sicher trägt.
Der Weg einer Verbindung
Von einem Endgerät bis zum Switch durchläuft ein Signal typischerweise diese Stationen:
- Endgerät (PC, Drucker, Access Point) mit Patchkabel (kurz, flexibel)
- Anschlussdose im Raum (Endpunkt 2)
- Installationskabel in Kanal, Trasse oder Wand (der fest verlegte „Permanent Link“)
- Patchpanel im Netzwerkschrank (Endpunkt 1)
- Rangierkabel (Patchkabel) vom Panel zum Switch-Port
- Switch im Netzwerkschrank
Bei Kupfer-Ethernet darf die gesamte Strecke (Channel) höchstens 100 Meter lang sein: davon maximal 90 Meter festes Installationskabel (Permanent Link) und insgesamt höchstens 10 Meter Patchkabel. Diese Grenzen gehören zur physikalischen Schicht und sollten im Plan bei jeder Strecke eingehalten sein.
Praxisbeispiel
Ein neues Büro soll einen Arbeitsplatz mit Telefon und PC bekommen:
- Im Verkabelungsplan wird eine freie Dose im Büro gewählt, z. B.
B2-14. - Der Plan zeigt: Dose
B2-14→ Brüstungskanal → Steigschacht → PatchpanelPP1, Port 14 im SchrankNS1→ Medium Cat6a. - Der Techniker steckt im Schrank ein Patchkabel von
PP1/14auf einen freien Switch-Port und stellt dort das passende VLAN ein. - Der Arbeitsplatz wird angeschlossen und getestet. Danach wird im Plan der neue Zustand vermerkt (welcher Switch-Port, welches VLAN).
Typische Fehler
- Plan und Beschriftung vor Ort stimmen nicht überein (nach Umbauten nicht nachgepflegt)
- Kennzeichnung nur an einem Kabelende
- Medium nicht angegeben, sodass später unklar ist, ob ein Port für 10 Gbit/s taugt
- Kabelwege nicht dokumentiert, sodass bei Bauarbeiten Leitungen durchtrennt werden
- Rangierungen (Patchpanel → Switch) werden nirgends festgehalten
Bedeutung in der Ausbildung
In der IHK-Prüfung zum Fachinformatiker für Systemintegration (Systemintegration, AP2) gehören logischer Netzwerkplan, Gebäudeplan und Verkabelungsplan zur Netzwerkplanung. Typische Aufgaben: einen Verkabelungsplan vervollständigen, anhand eines Plans eine Störung eingrenzen oder zu einem vorgegebenen Gebäude die Kabelwege und Längen planen. Bei der Problemdiagnose ist er das wichtigste Werkzeug, um vom Symptom („Dose B2-14 hat keine Verbindung“) zur Ursache (defekter Patch, falscher Port, gebrochenes Kabel) zu kommen.
Siehe auch: Patchpanel, Netzwerkschrank, Cat-Kabel, Glasfaser, Switch, VLAN, Problemdiagnose