EMZETT.
Login

HTTPS

Kurz: HTTP über eine TLS-verschlüsselte Verbindung — dieselbe Kommunikation wie HTTP, aber gegen Mitlesen und Manipulation abgesichert.

Genauer: Vor dem eigentlichen HTTP-Austausch findet ein TLS-Handshake statt, bei dem Server (und optional Client) sich über ein Zertifikat ausweisen und einen gemeinsamen Sitzungsschlüssel aushandeln. Erkennbar am Schloss-Symbol im Browser und am https://-Präfix. Heute Standard für praktisch jede Website.

Im Detail

Ablauf in zwei Phasen

Der Ablauf beim Aufruf einer HTTPS-Seite läuft in zwei getrennten Phasen ab: zuerst der TLS-Handshake (Aushandlung von Verschlüsselung und Identitätsprüfung), danach der eigentliche HTTP-Austausch — komplett verschlüsselt innerhalb des ausgehandelten TLS-Kanals:

1. Client verbindet sich mit Server auf Port 443
2. TLS-Handshake: Server zeigt Zertifikat, beide handeln Sitzungsschlüssel aus
3. Erst jetzt: normaler HTTP-Request/Response, aber komplett verschlüsselt

Die Doppelrolle des Zertifikats

Das Server-Zertifikat erfüllt dabei zwei Aufgaben gleichzeitig: Es liefert den öffentlichen Schlüssel für die Verschlüsselung, UND es beweist (signiert von einer vertrauenswürdigen Zertifizierungsstelle, einer sogenannten Certificate Authority) dass der Server tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt — ohne diese Identitätsprüfung könnte sich ein Angreifer zwischen Client und echten Server schalten und trotzdem verschlüsselt kommunizieren, ohne dass es auffällt (Man-in-the-Middle-Angriff). Läuft das Zertifikat ab, stammt es von keiner vertrauenswürdigen Stelle oder passt der im Zertifikat eingetragene Domainname nicht zur aufgerufenen URL, warnt der Browser deutlich sichtbar mit einer ganzseitigen Warnung, statt die Verbindung stillschweigend zuzulassen.

Integrität zusätzlich zur Verschlüsselung

Neben der reinen Verschlüsselung bringt HTTPS auch Integritätsschutz mit — jede übertragene Nachricht trägt einen kryptografischen Nachweis, dass sie unterwegs nicht verändert wurde. Selbst wenn ein Angreifer den verschlüsselten Datenstrom abfangen und manipulieren wollte (auch ohne den Inhalt entschlüsseln zu können), würde die Manipulation vom empfangenden Ende erkannt und die Verbindung sofort abgebrochen, statt manipulierte Daten stillschweigend zu verarbeiten.

Perfect Forward Secrecy

Moderne TLS-Versionen (ab TLS 1.2, verpflichtend in TLS 1.3) nutzen zusätzlich sogenannte “Perfect Forward Secrecy”: Der Sitzungsschlüssel für jede einzelne Verbindung wird frisch ausgehandelt und nirgendwo dauerhaft gespeichert — selbst wenn ein Angreifer Jahre später den privaten Serverschlüssel stiehlt, kann er damit vergangene, mitgeschnittene Verbindungen nicht mehr nachträglich entschlüsseln, weil die dafür nötigen Sitzungsschlüssel längst verworfen wurden.

HTTPS als faktischer Standard

Suchmaschinen bevorzugen HTTPS-Seiten inzwischen auch aktiv im Ranking, und moderne Browser markieren reine HTTP-Seiten explizit als “nicht sicher” in der Adressleiste — HTTPS ist dadurch faktisch zum verpflichtenden Standard für praktisch jede öffentliche Website geworden. Kostenlose Zertifizierungsstellen wie Let’s Encrypt haben zusätzlich die frühere finanzielle Hürde (Zertifikate kosteten früher oft mehrere hundert Euro pro Jahr) komplett beseitigt.

Siehe auch: HTTP, TLS, Zertifikat, Handshake, Sitzungsschlüssel